Die Gerätetechnik
zum Wolfram Inertgas Orbitalschweißen
wurde 1962 in Los Angeles von der Firma Astro Arc entwickelt. Zu diesem
Zeitpunkt stellte man fest, daß die herkömmlichen Schraubverbindungen
an Kraftstoffleitungen in Überschalldüsenflugzeugen den hohen Beanspruchungen
nicht mehr gerecht wurden.
Es kam zu einigen Leckagen und in der Folge zu schweren Unfällen von
Testpiloten. Es musste also eine Verbindungsmöglichkeit für Rohre
gefunden werden die auch bei höchster Beanspruchung (mehrere bei Flugmanövern)
sicher ist.
Beim WIG-Orbitalschweißen
umkreist die Wolframelektrode, in einer entsprechenden Führung, die
in beliebiger Lage feststehende Rundrohrachse in einem Abstand von
etwa 2 mm zum Außendurchmesser der Fugengeometrie in einem kontinuierlichem
Umlauf (360 Grad plus Überlappung) und verschweißt dabei mit der
Energie des elektrischen Lichtbogen's den Schweißstoß. Daher das
lateinische orbit das sich ursprünglich auf die Umlaufbahn
des Mondes um die Erde bezog.
Schweißstromquelle:
Bei den Schweißstromquellen handelt es sich wie beim WIG-Handschweißen
um ein Leistungsnetzteil mit einem zusätzlichen Mikroprozessor zur
Steuerung spezieller Funktionen. Dabei unterscheidet man verschiedene
"Achsen". Die erste Achse regelt den Gasfluß. Achse zwei regelt die
Schweißstromparameter. Achse drei die Drehbewegung mit Vorschubgeschwindigkeit.
Die vierte Achse regelt die Ansteuerung des Schweißzusatzwerkstoffs.
Aufwendige Stromquellen besitzen neben den vier Achsen noch weitere
um den Brenner in vertikaler und horizontaler Ebene zu verfahren.
Orbitalsysteme
Der Orbitalschweißkopf
wird um die zu Schweißenden Bauteile herumgelegt und festgespannt.
Dabei werden wiederum vier Bauarten unterschieden:
a) gekammerter Kassettenschweißkopf
b) offene Schweißzange
c) Fahrwerksschweißkopf
d) Rohr in Bodenschweißkopf
a)
gekammerter Kassettenschweißkopf
Bei dem gekammerten Kassettenschweißkopf
läuft der Schweißprozeß in einer geschlossenen Kammer ab. Diese
Kammer wird während des gesamten Ablaufes mit Schweißschutzgas
gespült. Der Nahtbereich ist also von innen und außen vor Zutritt
von Atmosphärengasen geschützt. Somit bleibt der Schweißbereich
nahezu frei von Anlauffarben oder Oxidschichten. Die Klemmung
des Rohres erfolgt über spezielle Spannschalen die das Rohr exakt
positionieren.
Merkmale:
kompakte Bauform
nahezu Anlauffarbenfrei
Reproduzierbarkeit
Zentrieren über die Spannschalen
bedingt Witterungsunabhängig
geringer Raumbedarf
an schwer zugänglichen Stellen einsetzbar.
Einsatzbereiche gekammerte Kassettenschweißköpfe:
Lebensmittelindustrie, Phamazie, Chemie, Reinstgasversorgung,
Mikroelektronik, Klimatechnik, Lackieranlagen, Meß- und Regeltechnik,
Luft- Raumfahrttechnik und Rohrleitungsbau. Geeigenet für Rohrdurchmesser
von 1,6mm bis 177mm und Wandstärken bis 3,2mm.
b)
offene Schweißzange
Bei den offenen Schweißzangen
läuft ein WIG Schweißbrenner um das Rohr herum. Die Fixierung
und Anpassung der Zange an das Rohr erfolgt stufenlos über einstellbare
Spannbacken. Die Abtastung des Rohres erfolgt über einen Abtaststift.
Der Schweißkopf kann mit Zusatzdraht versehen werden und um ca.
45 Grad geneigt werden. Als Option kann der Schweißkopf mit einem
Höhenmotor und einem Seitenmotor ausgerüstet werden. Hierbei wird
die Lichtbogenspannung gemessen und der Elektrodenabstand immer
wieder optimal angeglichen. Der Seitenmotor ist zum pendeln der
Naht geeignet.
Merkmale:
Kaltdrahtzuführung
flexible Rohrdurchmesser möglich
Beobachtung und Korrektur
großer Einsatzbereich
Abdeckung großer Durchmesserbereiche mit einer Zange
Einsatzbereiche offene Schweißzangen:
Kraftwerkstechnik, Chemie, Schiffbau, Luft- und Raumfahrttechnik
Klimatechnik, Lebensmitteltechnik, Pharmazie, und Rohrleitungsbau.
Durchmesser von 8 mm bis 245 mm. Ohne besondere Nahtvorbereitung
Wandstärken bis 3,6mm bei C-Stahl und 4mm bei Chrom Nickel Stahl.
Mit spezieller Nahtvorbereitung dickere Wandstärken.
c)
Fahrwerksschweißkopf
Für große Rohrdurchmesser über 200 mm werden komplett
umlaufende Fahrwerksköpfe
eingesetzt. Sie verfügen über ein Fahrwerk, das auf eine vorher
am Werkstück angebrachte Führungsschiene aufgespannt wird. Diese
Kopfart arbeitet in der Regel mit elektronischer Lichtbogenabstandsregelung,
Brennerpendelung und Schweißzusatzdrahtzuführung.
Merkmale:
Heißdrahtzuführung oder Kaltdrahtzuführung möglich
Rohrdurchmesser von 168 mm bis Längsnahtschweißen
Beobachtung und Korrektur
Pendelung und AVC möglich
Hohe Abschmelzleistung
Einsatzbereiche Fahrwerksschweißköpfe: Chemie, Kraftwerksbau,
Anlagenbau, Schiffsbau und Rohrleitungsbau
d)
Rohr in BodenSchweißkopf
Die Rohr in Boden Schweißköpfe finden sich verstärkt
im Anlagenbau zum schweißen von Wärmetauschern. Der Schweißkopf
wird in dem zu schweißendem Rohr oder in einem Nachbarloch über
einen Zentrierdorn fixiert. Schweißen mit Zusatzdraht ist möglich.
Die Schweißköpfe können auch mit einer automatischen Höhenregulierung
(AVC) versehen werden. Es können Rohre mit 8 mm bis 60 mm Außendurchmesser
verarbeitet werden.
Merkmale:
Hohe Standzeiten durch integrierte Wasserkühlung
Kollektorprinzip zur Versorgung des sich endlos drehenden
Brenners mit Schweißstrom, Kühlwasser und Schweißschutzgas
Einsatzbereiche Rohr in Bodenschweißköpfe:
Wärmetauscherfertigung, Meß-und Regeltechnik, Biochemie und Energietechnik.
Kaltdrahteinheit
Die Kaltdrahteinheit ist meist unmittelbar am Schweißkopf montiert.
Durch den kurzen Förderweg werden Förderschwierigkeiten vermieden
und die Drahtzugabe kann mit dem pulsierenden Schweißstrom synchronisiert
werden. Dies ermöglicht eine weitere Anpassung der Parameter an die
Schweißaufgabe. Die Kaltdrahtzugabe dient nicht nur dazu, die Fuge
auszufüllen, sondern steuert auch die Wärmeeinbringung.
Schweißpersonal
Der Schweißer muß im Besitz einer gültigen Schweißerprüfung nach
DIN - EN 287-1 sein. Es Und er muß nach DIN - EN 1418 "Prüfung von
Bedienern von Schweißeinrichtungen für vollmechanisches und automatisches
Schweißen von metallischen Werkstoffen". Und der Hersteller muß eine
Schweißverfahrensprüfung nach DIN - EN 288 haben. Dadurch wird festgelegt,
daß der Bediener in der Lage ist, mangelnde Schweißnahtqualität zu
bewerten und durch die erforderlichen Korrekturen der Parameter eine
optimale Qualität erreicht. Da es sich beim WIG Orbitalschweißen
um einen Teilmechanisierten Prozess handelt, muß jeder Arbeitsschritt
vorher einprogrammiert werden. Dafür muß der Bediener all die Arbeitsschritte
eingeben, die der Handschweißer sonst instinktiv ausführt. So zum
Beispiel die Vorwärtsbewegung, die vom Zangenmotor ausgeführt wird,
oder das Hinzufügen von Schweißzusatzwerkstoff welche von der Kaltdrahteinheit
geregelt wird.

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